Header Beitrag LaTeX - Tag 1

Als frisch gebackene Studentin muss man sich nicht nur erst ans Ausschlafen gewöhnen, sondern auch ans Schreiben. Wissenschaftliche Abhandlungen, Vorlesungs-Scripte, Lehrbücher etc sind in einem manchmal gewöhnungsbedürftigen Stil verfasst. Für mich sind es die Vorlesungs-Folien, die mich wünschen lassen, es gäbe hierfür bestimmte Vorlagen oder zumindest Vorgaben für Professoren, ihre Infos auf die Folien zu bringen. Da ich sicherlich nicht die Einzige mit so einem Wunsch bin, haben sich wohl irgendwann schlaue Leute daran gemacht eine (Auszeichnungs-)Sprache für das Abfassen solcher Texte zu entwickeln. Eben jenes, oben erwähnte, LaTex. Um nicht gleich abgemahnt zu werden, muss ich korrekterweise sagen, das LaTex das Erweiterungspaket zum Textsatzsystem TeX ist. Doch habt bitte Geduld mit mir, denn wie der Titel schon vermuten lässt, bin ich neu hier 😉

Meine Motivation LaTeX zu lernen, ist eigentlich darin begründet, dass ich die Vorlesung-Folien eines Profs nicht nachvollziehen kann. Das kann jetzt an mir liegen, vielleicht aber auch an seinem Stil. Jedenfalls nahen die Klausuren und ich dachte mir „was kann besser sein, als den Inhalt beim Wiederholen so aufzuschreiben, dass ich es selbst verstehe und später Unterlagen habe, in die ich gerne wieder reingucke?“.

Also ihr versteht, wenn ich sowas mache, dann auch ordentlich. Daher muss jetzt LaTex gelernt werden. Nach meinem ersten Abend mit einigen Versuchen wollte ich meine Erfahrungen einfach mal runterschreiben, vielleicht geht es anderen LaTeX-Neulingen ja genau wie mir?

Tag 1 also (oder eher Abend 1 – Studenten halt ;)):
Eine IDE, also eine Entwicklungsumgebung, ist schnell gefunden. Sie heißt MiKTeX und bringt den Editor TeXworks mit. Was MiKTeX genau ist, wie es mit TeX oder gar LaTeX zusammenhängt, habe ich leider noch nicht verstanden. Es soll dort draußen auch noch andere IDEs geben und sogar Cloud-Dienste bei denen man online seine Texte verfasst und ausgeben lässt. Mit „Ausgeben“ von LaTeX-Texten
ist das Generieren von PDF-Dokumenten gemeint. Man schreibt aber so oder so seinen Text in einen Editor, im Idealfall weiß man schon, was wie aussehen soll und schreibt die Textauszeichnungen direkt mit in seinen Text. Diese Auszeichnungen unterteilen sich in Befehle, die dem fertigen Dokument sagen, um was für ein Dokument es sich handelt, was für ein grundlegendes Format und Template es benutzen soll und in direkt im Text stehende Auszeichnungen wie z.B. \textbf{Das hier ist fett geschriebener Text} (textbf steht hier für text bold font).

Soweit so gut. An sich nichts all zu Kompliziertes. Im Gegenteil, denn den auszuzeichnenden Text in Klammern zu schreiben, kennt man ja auch in etwas anderer Form von HTML. Hier gibt es öffnende und schließende Tags, die bestimmen, was mit dem Inhalt dazwischen passieren soll. Dennoch, drei Dinge stören mich.
1. sind geschweifte Klammern zwar nichts Neues für mich, aber sie liegen für kleine Hände echt ungünstig auf der Tastatur. Ich habe noch keine Erfahrungen mit anderen Tastatur-Layouts, dem englischen oder gar NEO. Hier soll es zwar einfacher sein solche Sonderzeichen zu greifen, aber das jetzt auch noch lernen?
Daher habe ich mich gefragt, ob es nicht einen Editor gibt (wie hier in WordPress) in dem man einfach im Nachhinein seinen Text markiert und auf einen Button klickt, der das entsprechende Auszeichnungskonstrukt um den markierten Text baut.
2. schlägt mein Grafikerherz ne Nummer schneller, wenn ich sowas sehe. Nicht nur, weil ich hier schon vorgefertigte Templates bekomme, in denen die grundlegende Formatierung (Wo steht eine Überschrift, welche Farbe hat ein Balken unten, in dem die Fußnoten stehen werden, …). Das alleine wäre ja super. Denn viel falsch machen kann man so nicht, und auch Nicht-Grafiker haben so die Garantie ein einheitlich gut durchgestaltetes Dokument zu erhalten, denn das ist ja die Grund-Idee hinter LaTeX. Aber… poch, poch… ich möchte diese Templates dann doch anpassen können, oder neu erstellen…
Ich habe zwar einige Templates gefunden, aber irgendwie gibt es an jedem davon etwas, was ich gerne ändern würde.
3. Anscheinend lernt man die Befehle zur Textauszeichnung in gewissen Teilen auch stark abhängig von der verwendeten Klasse. Klar, Kapitel machen in einer Beamer-Präsentation wenig Sinn. Eben so wenig seitenlange Inhaltsverzeichnisse und Fußnoten. Dass sie aber deswegen in den anderen Klassen nicht funktionieren finde ich schon doof. Was ist, wenn ich so ein Format aber mal aufbauen möchte?
Außerdem frustriert es beim Lernen, wenn die Hälfte der Befehle zu nichts Sichtbarem führen.

Bis jetzt bin ich nicht viel weiter gekommen mit meinen Fragen. Zu Punkt eins hat mir ein Informatiker gesagt, dass es doch viel schneller geht, wenn man nur auf der Tastatur arbeitet. Das mag in einigen Fällen stimmen, doch trotzdem nagt das an mir. Hat noch niemand so einen Editor geschrieben? Kann doch nicht sein! Kann ich…? (Wenn dann auch später:P)
Zu Punkt zwei habe ich dann gestern noch ein wenig recherchiert. Es gibt die Möglichkeit LaTeX Klassen selbst zu schreiben. Doch das wird einem Anfänger nicht ans Herz gelegt. Nachdem ich mir den Aufbau solch einer Klasse angeschaut habe, weiß ich auch warum. Hierzu sollte man bereits LaTeX beherschen, daher muss ich mich in meiner Neugier noch ein wenig zügeln.
Dabei sei angemerkt: Ich möchte LaTeX tatsächlich nicht Ad absurdum führen. Mein Ziel ist es nicht, Klicki-Bunti Dokumente zu erstellen. Aber ich fände es schön, wenn es einfacher wäre, Texte vielleicht man in der Farbigkeit anzupassen.
Bei Punkt drei heißt es wohl einfach: Auswendig-Lernen. Vielleicht baue ich mir ja selbst eine schöne Übersicht. Das wär doch was.

Alles in Allem wünsche ich ich mir aber am Dringlichsten, einen guten Überblick über die Befehle und Möglichkeiten bzw. Beschränkungen zu bekommen. Ich fänd es auch cool, wenn man irgendwo gezeigt bekäme, was eine Beamer-Präsentation ausmacht und was sie von einem Buch oder Artikel unterscheidet. Bis jetzt habe ich nur vereinzelte Artikel und Forenbeiträge zu dem Thema gefunden. Nichts Übergreifendes. Wer sind die Leute, die LaTeX entwickeln? Gibts da keine einheitliche Plattform für? Ich erwische mich bei dem Gedanken, dass LaTeX wahrscheinlich von Wissenschaftlern entwickelt wurde. Die benötigen keine Plattform 😉 Die googeln gerne. Wo bliebe denn da sonst die Herausforderung? Trotzdem, wenn mir jemand von seinen Lernerfahrungen erzählen kann, oder besser noch, mir hilfreiche Tipps geben könnte, wo ich entsprechende Infos herbekomme, würde mir das den Weg zu LaTeX – Tag 2 schon sehr versüßen.